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Johanniskraut (Hartheu)

Gemütsaufheller 
 
 
In den letzten Jahrzehnten hat sich Johanniskraut einen festen Platz erobert, wenn es um einen natürlichen, zuverlässigen Stimmungsaufheller geht. Die klinische Wirksamkeit bei leichten bis mittelschweren Depressionen ist durch eine Vielzahl von klinischen Studien belegt.

Die Angst vor Psychopharmaka in der Bevölkerung sitzt tief. Für viele Patienten kommt daher nur "etwas Pflanzliches" in Frage.
Schuld daran sind die häufigen Neben-wirkungen früherer Medikamente und das Gefühl nicht mehr Herr seines Verstandes und Gefühlslebens zu sein, eventuell lebenslänglich abhängig zu werden, wenn man sich einmal auf Psychopharmaka einlässt. Bei den modernen Präparaten der heutigen Zeit ist diese Angst weitestgehend unbegründet. Trotzdem besitzen pflanzliche Produkte immer noch eine bessere Verträglichkeit.

Wie alle die Psyche beeinflussenden Präparate tritt eine spürbare Wirkung auch bei den pflanzlichen Produkten erst nach ca. 2 Wochen ein, nach 4 Wochen ist die Wirkung deutlich ausgeprägter und sie erreicht ihr Maximum nach 6 – 8 Wochen. Da die Nebenwirkungen der synthetischen Antidepressiva schon am 2 Tag feststellbar sind, stellt dies die Betroffenen zunächst auf eine harte Probe. Warum Pillen nehmen, wenn man nur Nebenwirkungen spürt? Johanniskraut hat bei gleicher Wirksamkeit und gleichem Wirkeintritt eine ca. 10fach niedrigere Nebenwirkungsrate. Es kommt daher dem Wunsch der Patienten nach einem mild wirkenden Präparat entgegen.

Die Frage nach dem aktiven Wirkprinzip von Johanniskraut (Hypericum perforatum) wird unter Experten immer noch diskutiert. Fest steht, dass der Gesamtextrakt aus der Pflanze eine ausgeprägtere Wirkung zeigt als einige isolierte Leitsubstanzen. Johanniskraut-Extrakt vermag wichtige Botenstoffe für die Reizübertragung im Gehirn wieder vermehrt zur Verfügung zu stellen. Schon nach vier Wochen verbessern sich Depressionen eindrucksvoll. Ein gutes Dutzend placebokontrollierter Studien hat gezeigt, dass leichte bis mittelschwere Depressionen mit Johanniskraut-Extrakten gut beherrscht werden. Nicht nur die Akutbehandlung verläuft erfolgreich, auch die Rückfallrate konnte von 20 % (ohne Behandlung) auf 6 % gesenkt werden.

Der Name Johanniskraut weist auf den Beginn der Blütezeit um das Johannisfest hin. Der 24.6. war der Geburtstag Johannes des Täufers. Von Mitte Juni bis Ende September blüht das Johanniskraut auf Wiesen, Waldrändern, auf überwiegend sandigen Böden, an Wegen und Bahndämmen. Schon in vorchristlicher Zeit war das Johanniskraut als Sonnwendkraut in den germanischen Ländern bekannt.

Der lateinische Name Hyperiucum perforatum leitet sich vom griechischen Wort "hyper" für auf und über und "ereike" für Heide ab. Die Pflanzen lieben trockene Standorte. "Perforatum" heißt durchlöchert. Werden die Blütenblätter nämlich ins Licht gehalten zeigen sich darauf viele kleine Punkte, die Öldrüsen der Pflanze, die einen Saft mit dem Wirkstoff Hypericin enthalten.

Schon in der Antike war die Heilkraft des Johanniskrauts bekannt. Plinius berichtete von äußerlicher Anwendung zur Linderung von Verbrennungen, nach Paracelsius soll das Kraut die "fürchterlichen melancholischen Gedanken" heilen. Bis heute hat sich die innerliche und die äußerliche Anwendung in der Volksheilkunde erhalten. Gegen Schwellungen, Hexenschuss, Ischias, Rheuma, Gicht, zur Wundheilung und bei Insektenstichen hilft das aus der Pflanze gewonnene Öl. Die Ernte erfolgt während der Blütezeit.

Die moderne Pharmazie hat in den letzten Jahren immer mehr Belege für eine antidepressive, beruhigende und nervenstärkende Wirkung der Pflanze geliefert. Insbesondere das aus der Pflanze isolierte Hypericin zeigt diese Wirkung. Weitere wirksame Stoffe der Pflanze sind ätherische Öle, Gerbstoffe und Flavonoide, denen krampflösende, antiseptische und wundheilfördernde Eigenschaften zugeschrieben werden.

Neben den Arzneimitteln mit chemischen Wirkstoffen hat sich das Johanniskraut als Nervenmittel und gegen Depression als gleichwertig gezeigt. Es ist daher fester Bestandteil der etablierten Phytomedizin. Positive Erfahrungen liegen auch zur Anwendung bei Kopfschmerzen (siehe Mutterkraut) oder bei Wetterfühligkeit vor.
 
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